Doppik in Brandenburger Kommunen

Grundidee der Doppik in Brandenburger Kommunen

Ausgehend von den Beschlüssen der Ständigen Konferenz der Innenminister (IMK) vom 22. November 2003 zu den Leittexten für eine Gemeindehaushaltsverordnung für ein doppisches Haushalts- und Rechnungswesen und für eine Gemeindehaushaltsverordnung für die erweiterte kameralistische Buchführung hat sich das Land Brandenburg, unter Berücksichtigung des Ergebnisses einer bei allen Kommunen durchgeführten Umfrage sowie der eindeutigen Positionierung der kommunalen Spitzenverbände Brandenburgs im Sommer 2004 für die Einführung des doppischen Haushalts- und Rechnungswesens als dem langfristig in allen kommunalen Verwaltungen Brandenburgs einzuführenden Rechnungssystem entschieden.

Gegenüber der traditionellen Kameralistik bietet die kommunale Doppik erhebliche Vorteile, denn erstmals wird es den Kommunen möglich sein, ihre Ressourcen und deren Verbrauch vollständig zu erfassen.

Die kommunale Doppik berücksichtigt durch die flächendeckende Veranschlagung von Abschreibungen im Gegensatz zum kameralen System den gesamten Werteverzehr von Sachanlagen und Gebäuden. Darüber hinaus werden Rückstellungen gebildet, um Belastungen, die erst in späteren Jahren zu Auszahlungen führen, der verursachenden Generation anzulasten. Es ermöglicht den Kommunen dadurch überhaupt erstmals vollständig zu erfassen, welche Ressourcen sie bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben verbrauchen. Bisher war dies nur im gebührenfinanzierten Bereich zumindest teilweise gegeben. Hieraus ergeben sich bisher ungenutzte Steuerungspotentiale. Zusammengefasst bietet die kommunale Doppik auf Basis der kaufmännischen Buchführung insbesondere folgende Vorteile gegenüber der traditionellen Kameralistik:

  • die Darstellung des Gesamtressourcenaufkommens und -verbrauchs,
  • die Erfassung und Darstellung des gesamten Vermögens der Kommune,
  • die Hervorhebung der Ziele und Ergebnisse des Verwaltungshandelns,
  • die Unterstützung einer flexiblen Mittelbewirtschaftung und
  • die Aufhebung der Zweiteilung des Rechnungswesens vieler Kommunen bei Auslagerung von bestimmten Aufgaben in selbständige Betriebe.

Zum Teil könnten die o.g. Vorteile auch mit der Erweiterten Kameralistik erreicht werden. Aber nur die kommunale Doppik stellt durch den systematischen Verbund zwischen der Ergebnis-, Finanz-, und Vermögensrechnung sicher, dass die Geschäftsvorfälle nicht mehrfach erfasst werden müssen. Darüber hinaus ermöglicht nur die Einführung eines doppischen Rechnungswesens auch in der Kernverwaltung die Aufstellung einer konsolidierten Bilanz mit den ausgelagerten Aufgabenbereichen.

Auch die Bürgerinnen und Bürger profitieren von dem neuen Rechnungswesen. Jeder kann leichter als bisher nachvollziehen, wie seine Steuergelder verwendet werden und er kann sich ein eigenes Bild von der wirtschaftlichen Situation seiner Kommune machen. Dadurch können Entscheidungen der Kommune leichter nachvollzogen und kritischer begleitet werden. Kenntnisse über das kaufmännische Rechnungswesen sind bei den Bürgerinnen und Bürgern verbreiteter als über die doch sehr spezielle Kameralistik. Das erleichtert das Verständnis eines nach der doppischen Methode aufgestellten Haushalts.

Die Umstellung des kameralistischen Rechnungswesens auf das doppische Haushalts- und Rechnungswesen wurde in Brandenburg zunächst in 8 ausgewählten Modellkommunen im Zeitraum vom 01.03.2005 - 30.09.2007 erprobt, um Akzeptanzprobleme abzubauen, praktische Erfahrungen für das anschließende Gesetzgebungsverfahren zu sammeln und ein für alle Kommunen im Land Brandenburg nutzbares Konzept für die Umstellung ihres Rechnungswesens zu erarbeiten.

Den umfassenden Abschlussbericht des Modellprojekts finden Sie hier:

Lesen Sie dazu folgende Artikel:

Letzte Aktualisierung: 06.07.2009